Mitte Oktober vergangenen Jahres, Routinetermin. Einen Metallverarbeiter begleite ich zu dem Zeitpunkt seit gut einem Jahr in der Finanzierung: 45 Mitarbeiter, rund sieben Millionen Euro Umsatz, gesunde Zahlen. Wir haben gemeinsam eine neue Laserschneidanlage finanziert, seitdem läuft bei ihm unser Liquiditätsmonitoring mit.
Der Geschäftsführer ist gut gelaunt. Die Auftragsbücher sind voll bis Februar, der Herbst war stark. Eigentlich wollten wir nur über die nächste Investition sprechen.
Dann schauen wir gemeinsam auf den Bildschirm. Im erwarteten Verlauf bleibt alles im grünen Bereich, knapp zwar, aber sicher. Ich schalte auf das Stressszenario: Was passiert, wenn sein größter Kunde die Novemberrechnung nicht im Dezember zahlt, sondern wie im Vorjahr erst Mitte Januar?
Die Linie rutscht in der Woche vor Weihnachten unter die Kreditlinie. Zwölf Tage lang fehlen knapp 100.000 Euro.
Er schaut lange auf die Kurve. Dann sagt er: „Dass es im Dezember so eng wird, hatte ich nicht auf dem Schirm.“
Warum ausgerechnet der Dezember?
Der Dezember ist für viele mittelständische Betriebe der engste Monat des Jahres. Nicht weil das Geschäft schlecht läuft, sondern weil sich ungewöhnlich viele Zahlungen auf wenige Wochen verdichten, während die Eingänge stocken.
So sah das bei unserem Metallverarbeiter aus:
| Wann | Was | Betrag |
|---|---|---|
| 15. November | Gewerbesteuer-Vorauszahlung | 22.000 € |
| Ende November | Löhne inklusive Weihnachtsgeld (sonst rund 205.000 €) | 290.000 € |
| 10. Dezember | Körperschaftsteuer-Vorauszahlung | 28.000 € |
| 10. Dezember | Umsatzsteuer auf die Novemberrechnungen | 80.000 € |
| Dezember | Jahresrechnungen für Wartung, Software, Leasing | 38.000 € |
| 2. Januar | Jahresprämien der Versicherungen | 26.000 € |
Keine dieser Zahlungen ist eine Überraschung. Jede einzelne steht irgendwo im Kalender. Das Problem ist, dass sie alle in dieselben sechs Wochen fallen.
Der 10. Dezember verdient dabei einen zweiten Blick. An diesem Tag sind die vierteljährlichen Vorauszahlungen auf Einkommen- oder Körperschaftsteuer fällig, dazu die Umsatzsteuer. Und hier steckt ein Punkt, den viele Unternehmer nicht auf dem Schirm haben: Wer, wie die meisten Betriebe dieser Größe, die Umsatzsteuer nach vereinbarten Entgelten abführt, zahlt sie auf die gestellten Rechnungen. Nicht auf die bezahlten. Ein starker Herbst mit vielen Rechnungen heißt also: hohe Umsatzsteuer im Dezember, für Geld, das noch gar nicht da ist.
Auf der anderen Seite der Rechnung wird es gleichzeitig ruhiger. Zwischen den Jahren sind Buchhaltungen im Urlaub, Freigaben bleiben liegen, und manche Kunden schieben ihre Zahlungen bewusst ins neue Jahr.
Was eine Planung zeigt und was ein Monitoring zeigt
Eine Liquiditätsplanung, die im Frühjahr erstellt wurde, hätte die festen Termine im Dezember wahrscheinlich richtig abgebildet. Was sie nicht zeigt, ist das, was sich seitdem verändert hat: der starke Herbst mit deutlich mehr Rechnungen als geplant und der Großkunde, der schon im Vorjahr zwischen den Jahren gezahlt hat.
Deshalb arbeiten wir mit einem Liquiditätsmonitoring, das an Konten und Buchhaltung angebunden ist und sich laufend aktualisiert. Es beantwortet drei Fragen, jede mit einem anderen Horizont:
- Heute: Wie viel Geld ist auf allen Konten, wie viel Kreditlinie ist noch frei, was geht heute raus?
- In einer Woche: Welche Löhne, Steuern und Lieferantenrechnungen sind fällig, welche Zahlungseingänge sind aus den offenen Posten zu erwarten?
- In drei Monaten: Wie entwickelt sich die Liquidität, wenn alles normal läuft, und wie, wenn nicht?
Der dritte Punkt ist der entscheidende. Die Frage „Was passiert, wenn mein größter Kunde drei Wochen später zahlt?“ kostet mit einer Excel-Tabelle einen Nachmittag. Im Monitoring ist sie eine Sache von Sekunden. Und weil sie so wenig Aufwand macht, stellt man sie auch.
Was im Oktober noch geht und im Dezember nicht mehr
Bei unserem Metallverarbeiter hatten wir Mitte Oktober rund zehn Wochen Vorlauf. Das hat gereicht für vier Schritte:
Gespräch mit der Hausbank. Wir haben eine befristete Erhöhung der Kontokorrentlinie um 150.000 Euro für November bis Februar vereinbart. Das Gespräch dauerte 40 Minuten, weil die Szenarien aus dem Monitoring auf dem Tisch lagen und die Bank sah, dass es um eine saisonale Spitze geht und nicht um ein Loch.
Abschlagsrechnung mit dem Großkunden. Für den größten Auftrag wurde mit dem Kunden vereinbart, die Hälfte bereits bei Teillieferung Ende November abzurechnen. Das brachte gut 90.000 Euro drei Wochen früher aufs Konto.
Eine Investition verschoben. Der neue Stapler kam im Januar statt im Dezember. Er fehlte niemandem.
Steuervorauszahlung geprüft. Gemeinsam mit dem Steuerberater haben wir geprüft, ob sich die Vorauszahlung herabsetzen lässt. Ergebnis: nein, der Gewinn gab es nicht her. Auch das ist eine Antwort, und besser im Oktober als im Dezember.
Und dann kam es genau so, wie das Stressszenario es gezeigt hatte: Der Großkunde zahlte die Restrechnung erst am 14. Januar. Der tiefste Stand des Kontos lag in der Woche vor Weihnachten bei rund 310.000 Euro im Soll. Mit der erhöhten Linie blieben 140.000 Euro Luft.
Hätte der Geschäftsführer das Problem erst im Dezember bemerkt, wäre von diesen vier Schritten kaum etwas übrig geblieben. Kurz vor Weihnachten eine höhere Linie zu beantragen, wirkt auf jede Bank wie ein Notruf, und genauso wird die Anfrage dann auch behandelt. Eine Abschlagsrechnung lässt sich nicht nachträglich vereinbaren. Und der Stapler wäre längst bestellt gewesen.
Nicht jeder hat ein Dezemberproblem
Ehrlich bleibt ehrlich: Nicht jeder Betrieb wird im Dezember eng. Ein Händler mit starkem Weihnachtsgeschäft hat im Dezember eher zu viel Geld auf dem Konto. Ein Betrieb ohne Weihnachtsgeld und mit Istversteuerung spürt den Monat deutlich weniger.
Aber fast jeder Betrieb hat irgendwo im Jahr seinen eigenen 10. Dezember. Beim Bauunternehmen ist es vielleicht der März, wenn nach dem Winter alle Baustellen gleichzeitig vorfinanziert werden müssen. Beim Saisonbetrieb der Monat vor der Saison. Die Frage ist nur, ob man diesen Tag kennt, bevor er kommt.
Vier Fragen für Ihren eigenen Dezember
- Wissen Sie, wie Ihr Kontostand am 10. Dezember ungefähr aussehen wird?
- Wissen Sie, wie viel Kreditlinie Ihnen in der Woche vor Weihnachten noch bleibt?
- Wissen Sie, was passiert, wenn Ihr größter Kunde drei Wochen später zahlt als geplant?
- Wann haben Sie zuletzt mit Ihrer Bank gesprochen, ohne dass es brannte?
Wenn Sie bei zwei dieser Fragen zögern, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, genauer hinzuschauen. Im Oktober haben Sie noch alle Möglichkeiten. Im Dezember nur noch wenige.
Wie wir dabei helfen
Wir richten das Liquiditätsmonitoring ein, binden es an Ihre Konten und Ihre Buchhaltung an und rechnen mit Ihnen die Szenarien durch, die für Ihren Betrieb zählen. Wenn es eng wird, bereiten wir das Gespräch mit der Bank vor, und zwar dann, wenn noch Zeit dafür ist.
Das erste Gespräch dauert 30 Minuten und kostet nichts. Danach wissen Sie, ob Ihr Dezember ein Thema ist oder nicht.
Das Beispiel ist anonymisiert, Details und Zahlen sind verändert. Steuerliche Fälligkeiten sind vereinfacht dargestellt und können im Einzelfall abweichen, etwa bei Dauerfristverlängerung. Der Beitrag ersetzt keine Steuerberatung.