Immer wieder werde ich gebeten, die häufigsten Fragen zu Finanzierung und Fördermitteln einmal zusammenzufassen. Hier sind sie: die Fragen, die mir in Coachings und Beratungen am häufigsten gestellt wurden, und meine Antworten mit Stand heute.
Hat man als Startup oder kleines Unternehmen wirklich eine Chance auf Fördermittel? Wie hoch sind die Hürden?
Grundsätzlich ja. Viele Förderprogramme sind sogar speziell auf junge oder kleine Unternehmen ausgerichtet. Bei größeren Clusterprogrammen kann man sich als KMU in der Regel ergänzend an größere, federführende Partner anhängen. Als Faustregel gilt: Wer als Gründer oder kleines Unternehmen eine innovative, förderfähige Produktidee hat, findet in der Regel auch ein geeignetes Förderprogramm.
Warum ist es so kompliziert, Fördermittel zu beantragen?
Operativ werden die Förderprogramme durch spezielle Projektträger betreut. Diese prüfen alle einreichenden Partner und deren Projekte auf Einhaltung der Richtlinien des jeweiligen Programms. Das erfordert jeweils einen eigenen Ablauf: Mal ist es eine Interessenbekundung, mal eine Projektskizze oder „nur“ ein Online-Antragsformular.
Da es bei vielen Programmen mehr Interessenten als mögliche Zuteilungen gibt, achten die Projektträger sehr genau auf die Einhaltung der Richtlinien. Das macht das Antragsverfahren manchmal mühsam und lässt es kompliziert erscheinen.
Kredite über die Hausbank gibt es für KMU kaum. Habe ich überhaupt eine Chance auf Fremdkapital?
Wenn man ausschließlich auf die Hausbanken schaut und die veröffentlichten Statistiken und Aussagen von Beteiligten ansieht, stimmt das. Es gibt aber andere Möglichkeiten, die Finanzierung des eigenen Unternehmens über Kredite sicherzustellen.
Voraussetzung ist eine nachvollziehbare und möglichst vollständige Dokumentation von Planung und wirtschaftlichem Status. Als Tipp empfehle ich die breit akzeptierten Prozesse von smartaxxess. Wer hier gut aufgestellt ist, wird kaum Probleme bei der Kapitalbeschaffung haben.
Alle wollen einen umfangreichen Businessplan mit Finanzteil. Was kostet es mich, das erfolgreich anzugehen?
Gerade Hausbanken erwarten bei Finanzierungsgesprächen einen ausgearbeiteten und aktuellen Businessplan mit Finanzplanung. Sein eigenes Geschäft sollte man ohnehin genau kennen. Trotzdem fällt es vielen schwer, das in passende Worte und in die erwartete Form zu bringen.
Erfahrene Unternehmensberater arbeiten an solchen Planungsdokumenten mehrere Tage, bis ein fertiges Dokument vorliegt. Das muss kalkuliert werden. Aber auch wer seinen Businessplan selbst erstellt, sollte den eigenen Aufwand nicht unterschätzen. Jeder kennt seinen Stundenverrechnungssatz und kann einschätzen, ob es günstiger ist, die Unterlagen selbst zu erstellen oder einen Spezialisten zu beauftragen.
Ich bin arbeitslos, habe aber eine Idee für eine Selbständigkeit. Wie bekomme ich eine funktionierende Gründung hin?
Die Agenturen für Arbeit und Jobcenter unterstützen die Aufnahme einer selbständigen oder freiberuflichen Tätigkeit mit Gründungszuschuss oder Einstiegsgeld. Darüber hinaus kann man dort einen sogenannten AVGS-Gutschein erhalten. Über zertifizierte Bildungsträger vermitteln erfahrene Coaches damit Wissen rund um die Selbständigkeit. Der Gutschein ist für angehende Gründer kostenfrei und bietet eine wertvolle Möglichkeit, Wissen aufzubauen.
Wie funktioniert die Finanzierung mit Förderkrediten von KfW und Co.?
Wer Unternehmerkredite der KfW oder der Landesförderinstitute (zum Beispiel der LfA Förderbank Bayern) einsetzen möchte, trifft im ersten Schritt auf das Hausbankprinzip. Anträge werden, obwohl das Geld von einer Förderbank kommt, bei der Hausbank nach deren Richtlinien geprüft. Erst wenn die Hausbank den Kredit positiv entscheidet, wird der Antrag an die Förderbank weitergereicht. Wer keinen guten Draht zur eigenen Hausbank hat oder seine Konten zum Beispiel bei einer Direktbank führt, hat es mit diesem Verfahren schwer.
Ich habe eine innovative Produktidee. Kann ich mir die Prüfung der Machbarkeit fördern lassen?
Gerade für die Prüfung der technologischen oder wirtschaftlichen Machbarkeit eines neuen Produkts oder Verfahrens gibt es passende Förderprogramme, zum Beispiel ZIM oder mFUND für Themen der Mobilität. Die Förderquoten liegen wegen des erhöhten Risikos bei Machbarkeitsfragen höher als bei üblichen Entwicklungs- oder Umsetzungsprojekten.
Wichtig: ZIM nimmt seit dem 7. Juli 2026 vorübergehend keine neuen Anträge an. Was das bedeutet, lesen Sie in unserem Beitrag Quo Vadis Projektfinanzierung.
Ich brauche nur eine kleine Anschubfinanzierung. Muss ich dafür einen umfangreichen Antrag bei der Hausbank stellen?
Bis Mitte 2026 war für kleine Finanzierungen bis 25.000 Euro der Mikrokreditfonds Deutschland die erste Adresse: etwas höhere Zinsen, dafür ein einfacher und schneller Antrag. Seit dem 30. Juni 2026 vergibt der Fonds keine neuen Kredite mehr.
Welche Wege Gründer und Kleinstunternehmen jetzt haben, zeigen wir im Beitrag Ende der Mikrokredit-Förderung. Ganz ohne strukturierte Planung geht es dabei allerdings nicht mehr.